Intuitives Essen

In einer Zeit, die von Selbstoptimierung und sozialen Medien geprägt ist, scheint der Druck, einem bestimmten Lebensstil und Ernährung zu folgen, ständig zuzunehmen. Frühaufstehen, Meditation, Yoga, strenge Diäten - all das wird oft als der Schlüssel zum Erfolg und Wohlbefinden angepriesen. Doch hinter den verlockenden Versprechen verbirgt sich oft eine Realität, die uns dazu zwingt, unsere natürlichen Bedürfnisse und Grenzen zu ignorieren.

In kurz:

  • Abnehmen ist nicht immer die Lösung. Und sollte nicht zur Gewohnheit werden.
  • Intuitives Essen ist die neue Anti-Diät. Keine Regeln oder Verbote, um ein ausgewogenes Essverhalten zu entwickeln.
  • Lerne dein Körper neu kennen. Höre auf dein Hunger- und Sättigungsgefühl und bau ein gesundes Verhältnis zu Essen auf.
  • Auch der Arbeitsalltag kann stressig sein. In dem Blogartikel findest du vier Tipps, die dir bei der Implementierung von intuitiven Essen helfen können

Der tägliche Energieverbrauch eines erwachsenen Menschenliegt zwischen 1800 bis 3100 kcal pro Tag. Der Wert ist abhängig von verschiedenen Faktoren wie Geschlecht und der körperlichen Aktivität. Warum also empfehlen uns Diäten weniger als 1200 Kalorien zu essen, obwohl dieses Konzept möglicherweise nicht angemessen ist?  

Viele Menschen orientieren sich an einem Schönheitsideal und eifern diesem nach. Durch soziale Medien nehmen wir wahr, dass es normal ist, unter 50 Kilo zu wiegen und keine Cellulite zu haben. Um das zu erreichen, greifen viele zu Diäten, die ein Kaloriendefizit voraussetzten, um dieses Gewicht zu erreichen. Der Druck, einem unrealistischen Schönheitsideal zu entsprechen, hat weitreichende Auswirkungen auf unser Selbstwertgefühl und unsere psychische Gesundheit. Studien zeigen, dass eine übermäßige Beschäftigung mit Diäten zu Essstörungen und anderen psychischen Problemen führen kann.

Was versprechen uns Diäten?

Das Wort „Diät“ wird heutzutage verwendet für Essensverhalten, die schnellen Gewichtsverlust und ein verbessertes Körperbild versprechen. Von Keto über Low-Carb bis hin zu Detox-Programmen gibt es unzählige Diätansätze. Die Diäten verbieten oder restriktiveren gewisse Makronährstoffe und Nahrungsgruppen zu essen.  

Bei einem Kaloriendefizit greift der Körper auf seine Energiereserven zurück. Der Glykogenspeicher, die Fettreserven und die Muskelproteine werden abgebaut. In extremen Fällen kann sogar der Herzmuskel angegriffen werden, was schwerwiegende gesundheitliche Probleme verursachen kann.

Es ist wichtig, sich bewusst zumachen, dass Gesundheit und Wohlbefinden nicht ausschließlich durch Zahlen wie unser Gewicht oder den Body-Mass-Index (BMI) definiert werden können. Der Wert eines Menschen kann nicht an seinem Gewicht gemessen werden. Die Diätenmentalität verleitet uns zu einem Denkmuster, das besagt: "Wenn ich dünn bin, werde ich glücklich sein". Doch diese Denkweise bietet nur eine kurzfristige Lösung mit langfristigen schädlichen körperlichen und mentalen Folgen. Es ist wichtiger, langfristige Strategien zu entwickeln, um ausgewogene Essgewohnheiten zu etablieren, die eine Vielfalt an Lebensmitteln beinhalten, ohne unnötige Restriktionen.

Die neue Anti-Diät

Die Idee von intuitivem Essen kommt da wie eine erfrischende Brise inmitten der Diätenkultur daher. Sie bietet einen Ausweg von Restriktionen und Schuldgefühlen und lädt uns ein, eine gesunde Beziehung zu unserem Körper und Essen aufzubauen.

Aber was genau ist intuitives Essen? Im Kern geht es darum, wieder auf die Signale unseres Körpers zu hören und ihm zu vertrauen. Es bedeutet, Essen nicht mehr als moralische Frage oder Mittel zur Kontrolle des Körpergewichts zu betrachten, sondern als eine Möglichkeit, unseren Körper mit Nahrung zu versorgen und Freude am Essen zu empfinden.

Intuitives Essen basiert auf vier grundlegenden Prinzipien:

  1. Essen, wenn du hungrig bist: Statt sich an starre Essenszeiten zu halten, lerne auf die natürlichen Hungergefühle deines Körpers zu achten und ihm dann Nahrung zuzuführen.
  2. Aufhören, wenn du satt bist: Anstatt dich dazu zu zwingen, den Teller leer zu essen, hör auf zu essen, wenn du dich gesättigt fühlst - selbst wenn noch Essen übrig ist.
  3. Löse dich von der Diätenmentalität: Verabschiede dich von starren Regeln und Einschränkungen und erlaube dir, alle Lebensmittel zu genießen, ohne Schuldgefühle.
  4. Erlaube dir alle Lebensmittel zu genießen: Intuitives Essen bedeutet, sich von der Vorstellung zu verabschieden, dass bestimmte Lebensmittel "gut" oder "schlecht" sind, und dir stattdessen zu erlauben, alles zu essen, was du möchtest, in Maßen und mit Achtsamkeit

Die Vorteile von intuitivem Essen sind vielfältig. Studien zeigen, dass Menschen, die intuitiv essen, ein gesünderes Körpergewicht haben, weniger unter Essstörungen leiden und eine bessere psychische Gesundheit aufweisen. Darüber hinaus führt intuitives Essen zu einem entspannteren Verhältnis zu Essen und Körperbild und ermöglicht langfristig eine nachhaltige und ausgewogene Ernährung. Im Alltag stehen nicht Ernährungsregeln im Vordergrund, sondern die Wertschätzung von Genüssen wird betont.

Tipps und Tricks:

  1. Höre auf deinen Körper: Achte bewusst auf Hunger- und Sättigungsgefühle. Lerne, die Bedürfnisse deines Körpers zu erkennen und darauf zu reagieren.
  2. Verabschiede dich von Diätregeln: Befreie dich von der Vorstellung, dass bestimmte Lebensmittel "gut" oder "schlecht" sind. Erlaube dir alle Lebensmittel in Maßen zu genießen, ohne Schuldgefühle.
  3. Iss langsam und achtsam: Nimm dir Zeit für deine Mahlzeiten und konzentriere dich darauf, bewusst zu essen. Genieße den Geschmack und die Textur deiner Speisen und spüre, wie sich dein Körper dabei fühlt.
  4. Respektiere deine Vorlieben: Wähle Lebensmittel, die dir Freude bereiten und dich zufriedenstellen. Höre auf dein Bauchgefühl und Hunger nicht. Sättige dein Appetit.
  5. Sei flexibel mit deinen Essenszeiten: Vertraue darauf, dass dein Körper weiß, wann er Nahrung benötigt und esse, wenn du hungrig bist, unabhängig von der Uhrzeit. Für den Arbeitsalltag gibt es weitere Tipps am Ende von dem Blogbeitrag!
  6. Plane im Voraus aber sei offen für Veränderungen: Es kann hilfreich sein, Mahlzeiten im vorauszuplanen, um sicherzustellen, dass du ausgewogen isst. Bleibe jedoch flexibel und passe deine Pläne an, wenn sich deine Bedürfnisse ändern.
  7. Sei liebevoll zu dir selbst: Behandle dich selbst mit Mitgefühl und Freundlichkeit, sowohl in Bezug auf deine Gewohnheiten als auch auf dein Körperbild. Akzeptiere, dass es gute und schlechte Tage gibt, und sei geduldig mit dir selbst. Die Signale deines Körpers wieder zu spüren, benötigt Übung.
  8. Suche Unterstützung: Tausche dich mit anderen aus, die auch intuitives Essen praktizieren, um Erfahrungen und Tipps auszutauschen. Wenn nötig, suche auch professionelle Hilfe bei Ernährungsberatern oder Therapeuten, die auf intuitives Essen spezialisiert sind.

Und zuletzt noch mein persönlicher Tipp: Mir fällt es unglaublich schwer, Sachen liegen zulassen und nicht zu essen, wenn ich keinen Hunger mehr habe. Vor allem im Restaurant, wo ich weiß, dass es weggeworfen wird. Deswegen habe ich angefangen, mit einer klappbaren Tupperware überall rumzulaufen. Ich verhindern dadurch, dass es mir vom Überessen schlecht wird und beruhige mein Gewissen, was Lebensmittelabfall angeht. Außerdem habe ich mein Snack für später garantiert  ;)

Intuitives Essen auf Arbeit

Im Büroalltag kann es herausfordernd sein, intuitive Essgewohnheiten zu pflegen. Immerhin gestaltet sich das Essen zwischen Meetings, Anrufen und Deadlines oft als logistische Herausforderung. Man kann selten so flexibel, mal eben sein Sandwich während eines Meetings herausholen, um zu essen. Oder man kann nicht einfach aufstehen und das essen, wonach einem gerade der Sinn steht. Die Einschränkungen im Arbeitsalltag können das intuitive Essen erschweren.  

Um eine Balance zwischen Arbeitsalltag und Intuitiven essen zu finden, können folgende Strategien hilfreich sein:

  1. Vorausplanen von Mahlzeiten: Wenn man weiß, dass der Büroalltag hektisch wird, ist es sinnvoll, gesunde Optionen zur Hand zu haben, um es zu vermeiden, auf ungesunde Mahlzeiten zurückzugreifen
  2. Snacks griffbereit halten: Das Mitführen von Snacks wie Nüssen, Obst oder Gemüsesticks kann helfen, Heißhungerattacken zu vermeiden und den Blutzuckerspiegel stabil zu halten. Diese können einfach in der Schreibtischschublade oder der Tasche verstaut werden und bieten eine schnelle und gesunde Zwischenmahlzeit.
  3. Achtsamkeit beim Essen: Auf wenn die Zeitknapp ist, nehme dir bewusst Zeit zu essen. Selbst wenn es nur ein kurzer Moment ist, in dem man sich auf das Essen konzentriert und den Geschmack genießt, kann dies dazu beitragen, ein Gefühl der Zufriedenheit zu erreichen und übermäßiges Essen zu vermeiden.
  4. Flexibilität und Selbstvergebung: Manchmal lässt der stressige Büroalltag keine andere Wahl, als schnell etwas zu essen, das gerade verfügbar ist. In solchen Momenten ist es wichtig, sich bewusst zumachen, dass es nicht um Perfektion, sondern um ein gesundes Gleichgewicht im Alltag geht.

 

Zu Beginn mag der Begriff "intuitiv " etwas irreführend erscheinen, denn der Übergang zu einem intuitiven Essverhalten erfordert Zeit, Geduld und Übung. Die Verbindungzwischen Abnehmen und der Fähigkeit, die eigenen Körpersignale zu verstehen, ist entscheidend für eine nachhaltige und gesunde Ernährung. Es geht darum, alte Denkmuster und Verhaltensweisen zu überwinden und einen neuen, achtsamen Umgang mit Essen zu entwickeln. Aber der Aufwand lohnt sich. Indem wir lernen, auf die Bedürfnisse unseres Körpers zu hören und ihm zu vertrauen, können wir eine friedliche und befriedigende Beziehung zu Essen und unserem Körper entwickeln. Ernähre dich frei von Diäten und Restriktionen.  

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Quellen:
  • https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/energie/
  • https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18025815/
  • https://lindnercenterofhope.org/blog/why-dieting-can-be-harmful/
  • https://www.youtube.com/watch?v=pKUAajN5fnc

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